STADLER Gruppe betont Restmüllsortierung als Schlüssel zur Ressourcenrückgewinnung und zu den Zielen der Kreislaufwirtschaft
07.08.2026Angesichts weltweit weiter steigender Mengen an Siedlungsabfällen sieht STADLER im Restmüll einen der komplexesten – und zugleich zunehmend wichtigsten – Bereiche der Ressourcenrückgewinnung.
STADLER Sortieranlage für Orizon Valorização de Resíduos im Ecopark in Jaboatão/Brasilien
© STADLER
Restmüll galt lange Zeit als verbleibender Abfallstrom ohne nennenswertes Potenzial. Er wurde überwiegend deponiert oder energetisch verwertet. Dieses Verständnis wandelt sich jedoch zunehmend. Der steigende Druck auf die Deponiekapazitäten, wachsende Entsorgungskosten, strengere Umweltvorschriften und die zunehmende Nachfrage nach Sekundärrohstoffen rücken diesen komplexen Abfallstrom immer stärker in den Fokus von Kommunen und Entsorgungsunternehmen.
Nach dem Global Waste Management Outlook 2024 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) wird das Aufkommen an Siedlungsabfällen voraussichtlich von 2,1 Mrd. t im Jahr 2023 auf 3,8 Mrd. t bis 2050 ansteigen. Diese Prognose verdeutlicht die Notwendigkeit sowohl ökologischer als auch wirtschaftlicher Lösungen.
Für die STADLER Anlagenbau GmbH, den weltweit tätigen deutschen Spezialisten für die Planung, Fertigung und Montage schlüsselfertiger Recycling- und Sortieranlagen, stellt Restmüll eine der wichtigsten Chancen der Branche dar. Selbst in Märkten mit gut etablierten Systemen zur getrennten Sammlung gelangen noch immer recyclingfähige Materialien in diesen Abfallstrom. Dieses Potenzial lässt sich jedoch nur durch ganzheitlich geplante Sortieranlagen und optimal aufeinander abgestimmte Prozessschritte erschließen. Entscheidend für die Anlagenplanung sind eine flexible Prozessführung und ein zuverlässiger Anlagenbetrieb. Ebenso wichtig sind allerdings stabile regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Betreibern die notwendige Investitionssicherheit für moderne Sortieranlagen bieten.
Vom problematischen Reststoff zum Rohstoff
Sabine Schlögl, Technical Sales Engineer bei STADLER
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Abfälle werden heute nicht mehr in erster Linie als Herausforderung für Gesundheitsschutz, Sicherheit und Entsorgung betrachtet, sondern zunehmend als Wertstoffstrom mit erheblichem Potenzial für die Ressourcenrückgewinnung. „Das Material ist nicht länger einfach nur ein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Potenzial, das erschlossen werden sollte“, erklärt Sabine Schlögl, Technical Sales Engineer bei STADLER. „Dieser Wandel hat auch die Beziehung zwischen der Abfallwirtschaft und der verarbeitenden Industrie verändert und den Fokus verstärkt auf recyclinggerechtes Produktdesign, geeignete Sammelsysteme und die erforderliche Qualität von Sekundärrohstoffen gelenkt.“
„Diese Entwicklung beeinflusst auch die Rolle der thermischen Abfallverwertung. Werden Metalle, Inertstoffe und zunehmend auch recyclingfähige Materialien, wie Kunststoffe, vor der Verbrennung aus dem Materialstrom entfernt, verringert sich die Menge der Abfälle, die der energetischen Verwertung zugeführt werden. Gleichzeitig kann dies die Anlagenleistung verbessern, die Rückgewinnung wertvoller Ressourcen ermöglichen und die Menge an Verbrennungsrückstände reduzieren, die letztlich deponiert werden muss“, ergänzt Sabine Schlögl.
Die Vorteile sind sowohl ökologischer als auch wirtschaftlicher Natur. Die Rückgewinnung von Materialien aus dem Restmüll verringert den Bedarf an Primärrohstoffen, deren Gewinnung und Verarbeitung erhebliche Umweltauswirkungen haben kann. Aluminium ist hierfür ein gutes Beispiel: Der Bauxitabbau kann Wälder, Lebensräume sowie Boden- und Wasserressourcen beeinträchtigen, während das Recycling von Aluminium aus Abfallströmen die Emissionen im Vergleich zur Primärproduktion um bis zu 90 bis 95 % senken kann. Gleichzeitig können zurückgewonnene Wertstoffe zusätzliche Erlöse generieren und die Kosten für Deponierung oder Verbrennung reduzieren. So können Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen – vorausgesetzt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Entsorgungskosten und Materialwerte schaffen die entsprechenden ökonomischen Voraussetzungen.
Fortschritte bei der optischen Sortierung, der Sensorauflösung, der Automatisierung und der KI-gestützten Materialerkennung beschleunigen diese Entwicklung und erweitern kontinuierlich das Spektrum der Fraktionen, die als wertvolle Sekundärrohstoffe zurückgewonnen werden können.
Die Anlage in Jaboatão verarbeitet jährlich rund 500 000 t Hausmüll
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Warum die getrennte Sammlung nur einen Teil der Lösung darstellt
Die Erfahrungen aus Ländern mit etablierten Recyclingsystemen zeigen, dass die getrennte Sammlung zwar unverzichtbar ist, jedoch nicht alle Wertstoffe erfasst. In Deutschland ergab beispielsweise eine Analyse des Umweltbundesamtes, dass trotz gut ausgebauter Systeme zur getrennten Sammlung noch immer rund zwei Drittel des Restmülls potenziell recyclingfähig. Zu diesen Fraktionen zählen Metalle, Kunststoffe, Papier, Glas, Holz, Elektro- und Elektronikaltgeräte, Textilien sowie organische Abfälle.
Dies verdeutlicht eine der zentralen Herausforderungen für Kommunen und Entsorgungsunternehmen: Je ambitionierter die Recyclingziele werden, desto wichtiger wird es, auch diejenigen Wertstoffe zu erfassen, die weiterhin im Restmüll landen. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig eine verständliche Kommunikation mit der Bevölkerung ist. Sind die Sammelregeln nicht eindeutig oder leicht nachvollziehbar, landen recycelbare Materialien im Restmüll „Restmüll ist äußerst heterogen, häufig verschmutzt oder kontaminiert , und seine Zusammensetzung variiert je nach Region, Stadt und Jahreszeit“, erklärt Sabine Schlögl. „Um aus diesem Abfallstrom Wertstoffe zurückzugewinnen, sind deshalb robuste und flexible Anlagen erforderlich, die auch anspruchsvolles Input-Material zuverlässig verarbeiten können und sich an veränderte Materialzusammensetzungen, Marktanforderungen und künftige gesetzliche Vorgaben anpassen lassen.“
Eine globale Herausforderung mit lokalen Besonderheiten
Hausmüllsortieranlage von STADLER für Stockholm Vatten och Avfall (SVOA)
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Restmüll ist zwar eine globale Herausforderung, seine Zusammensetzung und die jeweiligen Behandlungsverfahren unterscheiden sich jedoch erheblich von Region zu Region. Gesetzliche Rahmenbedingungen, Sammelsysteme, das Verbraucherverhalten, die Gestaltung von Produkten und Verpackungen sowie der Entwicklungsstand der Recyclinginfrastruktur bestimmen, welche Materialien in diesem Abfallstrom landen und welche davon tatsächlich zurückgewonnen werden können.
Japan
Japan zeigt beispielhaft, wie Technologie, politische Rahmenbedingungen und Sammelsysteme ineinandergreifen müssen. Obwohl die Bevölkerung Abfälle konsequent trennt, unterscheiden sich die Sammelsysteme von Kommune zu Kommune, sodass wertvolle Kunststoffverpackungen teilweise weiterhin der thermischen Verwertung zugeführt werden, anstatt stofflich recycelt zu werden. „In Japan wird die Zusammensetzung des Restmülls außerdem durch sehr spezifische Verpackungsgewohnheiten geprägt. Dazu gehören Verbund- und Mehrschichtverpackungen, schwarze Kunststoffschalen sowie sehr leichte Materialien, die während der Sammlung und Verarbeitung häufig zusammengedrückt oder verformt werden“, erklärt Megumi Sasaki, Projekt Direktor STADLER Japan Setup. „Dadurch entstehen zusätzliche Herausforderungen für die Sortierung und Wertstoffrückgewinnung. Gleichzeitig zeigt sich, warum Lösungen immer an die jeweiligen Gegebenheiten des lokalen Marktes angepasst werden müssen.“
Lateinamerika
In Lateinamerika kann sich die Zusammensetzung der Abfälle hinsichtlich des Anteils organischer Stoffe, des Verschmutzungsgrades und sperriger Materialien erheblich unterscheiden. Laut André Galuppo, Leiter der STADLER do Brasil Ltda., werden Haushaltsabfälle in vielen Ländern nach wie vor über ein einheitliches Sammelsystem erfasst, wobei nur eine begrenzte Kontrolle über das angelieferte Material besteht. Dadurch müssen die Anlagen häufig auch nicht standardisierte Materialien wie Möbel, Elektroaltgeräte oder Bauabfälle verarbeiten. „Für Sortieranlagen für Abfälle gibt es keine Standardlösung nach dem Prinzip 'Copy and Paste'“, sagt er. „Jedes Projekt muss auf seinen spezifischen Anwendungsfall zugeschnitten werden. Sortierabfolge, Maschinentyp und -dimensionierung, die zurückgewonnenen Wertstofffraktionen sowie das Verhältnis zwischen automatischer und manueller Sortierung können und sollten entsprechend den jeweiligen lokalen Gegebenheiten unterschiedlich ausgelegt werden.“
Die Anlage in Stockholm verarbeitet bis zu 50 t Abfall pro Stunde auf zwei voneinander unabhängigen Sortierlinien
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Schweden
Ein hervorragendes Beispiel für diese Anpassungsfähigkeit ist Schweden. Dort hat STADLER für Stockholm Vatten och Avfall (SVOA) die Hausmüllsortieranlage Resursutvinning Stockholm geplant und gebaut. Die Anlage verarbeitet bis zu 50 Tonnen Abfall pro Stunde auf zwei voneinander unabhängigen Sortierlinien und gewinnt organische Abfälle aus den grünen Sammelsäcken sowie Kunststoffe und versehentlich im Restabfall enthaltene Eisen- und Nichteisenmetalle zurück. Durch die Kombination modernster Sortiertechnologien mit einem hochautomatisierten Steuerungssystem maximiert die Anlage die Ressourcenrückgewinnung und gewährleistet gleichzeitig ein hohes Maß an betrieblicher Flexibilität. Das Projekt verdeutlicht zudem den Nutzen einer kontinuierlichen Optimierung. William Frieberg, Project Manager bei SVOA, beschreibt die Zusammenarbeit mit STADLER wie folgt: „Ich schätze die Professionalität, Reaktionsfähigkeit und das konsequente Engagement von STADLER für kontinuierliche Verbesserungen. Die Unterstützung und das Fachwissen des Unternehmens haben dazu beigetragen, die Leistung der Anlage weiter zu optimieren und gleichzeitig hohe Standards in den Bereichen Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Qualität und Umweltmanagement aufrechtzuerhalten.“
Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage von STADLER im Ecoparc 4 in Barcelona/Spanien
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Spanien
Aufbauend auf seiner Erfahrung mit nahezu 50 Hausmüllaufbereitungsanlagen allein in Spanien entwickelt STADLER jede Anlage auf Grundlage der spezifischen Eigenschaften des Input-Materials und der betrieblichen Anforderungen des jeweiligen Kunden. Die Leistungsfähigkeit einer Anlage hängt dabei nicht allein von den eingesetzten Technologien ab, sondern von der Auslegung des gesamten Prozesses – von der Materialannahme und Dosierung über Siebung, Sortierung, Übergabepunkte und Lagerung bis hin zu Sicherheitskonzepten und der Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten. Entscheidend sind dabei die richtige Auswahl und Dimensionierung der Maschinen und Komponenten, um einen zuverlässigen Betrieb sicherzustellen, Stillstandzeiten zu minimieren und gleichzeitig eine sichere Arbeitsumgebung zu schaffen.
Abfallwirtschaftsunternehmen benötigen Anlagen, die große Abfallmengen effizient verarbeiten können
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Flexibilität und Sicherheit sind zentrale Anforderungen bei der Restmüllsortierung. Die flexiblen Anlagenkonzepte von STADLER, verfahrbare Förderbänder und digitale Steuerungssysteme ermöglichen es Betreibern, schnell auf Veränderungen der Materialzusammensetzung und der Marktanforderungen zu reagieren. Gleichzeitig erhöhen Batterieseparationssysteme, umfassende Brandschutzmaßnahmen und mehrgeschossige Anlagenkonzepte die Betriebssicherheit und Widerstandsfähigkeit der Anlagen.
