Naturschutz und Religionen – erste Projektwoche in Osnabrück

Die Integrität der Natur zu achten und zu bewahren ist eine wesentliche Botschaft aller Religionen. Nachdem die Projektwoche 2017 in Darmstadt ihre Premiere feierte, schlossen sich in diesem Jahr schon drei Städte – Darmstadt, Köln und Osnabrück – mit über 50 Veranstaltungen diesem Vorhaben an.

Die von der NGO „Religions for Peace“ Ortsgruppe Osnabrück und dem „Runden Tisch der Religionen“ organisierte Woche hatte sich zur Aufgabe gestellt, Engagierte im Naturschutz und Religionsgemeinden zu vernetzen und die Bewusstseinsbildung und die Sensibilisierung für den Naturschutz und die Artenvielfalt zu schärfen.

Die Projektwoche wurde am Sonntag, 2. September, um 17 Uhr im Rathaus des Westfälischen Friedens im Rahmen eines Festaktes feierlich eröffnet. Der Friedenssaal bildete einen würdigen Rahmen dafür. Wolfgang Griesert, Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, begrüßte die geladenen Gäste. Er hob vor allem die Bedeutung von Synergien und Netzwerken im Bereich Naturschutz hervor. Weiterhin betonte er, dass angesichts des Artensterbens und der weltweiten Klimaveränderung gewaltige Konflikte entstehen können. Für eine friedliche Zukunft ist ein Umdenken notwendig. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt in jedem von uns!“, fasste er sehr treffend das Anliegen der Projektwoche zusammen.

Im Anschluss durfte sich der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) Alexander Bonde in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück eintragen. Im folgenden Grußwort ging auch er auf die Bedeutung der Artenvielfalt für uns alle ein – die biologische Vielfalt ist eine Grundlage dafür, dass unsere Welt funktionieren könne. Dabei ist der Dialog gerade auch mit den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften wichtig, um sie als Bündnispartner aufgrund ihrer ethischen Grundlagen für den Naturschutz zu gewinnen.

Prof. Dr. Reinhold Mokrosch, Sprecher „Runder Tisch der Religionen“ und „Religions for Peace“ gab eine Einführung in die Projektwoche. Seit 300 Mio. Jahren hat es noch nie ein solches Artensterben gegeben wie jetzt. Als ein Beispiel nannte er Wale und andere Meerestiere, die aufgrund der Verseuchung der Meere mit Plastikmüll sterben. Aber es gibt auch viele Kräfte, die auf lokaler Ebene etwas für die Artenvielfalt tun, so zum Beispiel eine Moscheengemeinschaft, die rund um ihr Gebäude Naturbiotope angelegte oder ein christlicher Friedhof, der in eine ökologisch wertvolle Fläche umgewandelt wurden. In Osnabrück gibt es 23 verschiedene Religionsgemeinschaften. Trotz religiöser Unterschiede haben alle sofort dem Vorhaben, Osnabrück als den zentralen Standort für die Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ 2018 zu wählen, zugestimmt. Zu den 18 in und um Osnabrück stattfindenden Veranstaltungen gehörten unter anderem Workshops, Vorträge, Exkursionen und Konzerte, die die ganze Vielfalt des Themas Naturschutz mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln darstellen.

„Die Integrität der Natur zu achten und zu bewahren ist eine wesentliche Botschaft aller Religionen. In der gemeinsamen Erkenntnis der Religionsgemeinschaften hinsichtlich der Bedeutung des Lebens und der Natur liegt somit ein Schlüssel zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Natur.“, stellte Dr. Jürgen Micksch, Geschäftsführer des Abrahamischen Forums und Vorstand der Stiftung gegen Rassismus, in seinem Statement heraus.

„Naturschutz ist eine Wertfrage – was hält eine Gesellschaft für wichtig?“, erklärte Andreas Mues vom BfN. Die ökologische Krise kann nicht losgelöst für sich, sondern muss immer im Zusammenhang mit der sozialen Krise betrachtet werden. Musikalisch wurde die Eröffnungsveranstaltung unterstützt von Katja Rothfuss und Viola Mokrosch mit Gesängen zur Natur.

Wie halten wir unseren Planeten im Gleichgewicht? – eine zentrale Frage der DBU-Ausstellung MenschenWelt im DBU Zentrum für Umweltkommunikation, das im Rahmen der Projektwoche eine Führung durch die interaktiven Exponate anbot. Bestimmte Grenzen der planetaren Belastbarkeit dürfen zum Erhalt einer intakten Umwelt nicht überschritten werden. Das Konzept der planetaren Leitplanken zeigt innerhalb welcher Grenzen Umweltbelastungen und -veränderungen bleiben müssen, um unsere natürliche Lebensgrundlage nicht zu gefährden. Interaktive Exponate, insbesondere geeignet für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse, entführten die Besucher in die Welt der Korallenriffe, zeigten auf, wieviel Energie zur Produktion unserer alltäglichen Dinge benötigt wird oder legten den Fokus auf den Verbrauch von Trinkwasser. Immer wurden dabei auch die Möglichkeiten zum eigenverantwortlichen Handeln und zur eigenen Einflussnahme beleuchtet. Eine Ausstellung auf Wanderschaft - ab Ende 2019 kann diese Ausstellung MenschenWelt von der DBU entliehen werden (www.ausstellung-menschenwelt.de).

Auch 2019 wird die Idee der Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ weitergeführt. Die Naturschutzwoche wird vom 8. – 15. September 2019 mit der zentralen Veranstaltung in Köln stattfinden.

https://abrahamisches-forum.de/mitteilung-religioeser-naturschutztag-und-planungstagung-2019

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