STADLERs flexible Sortieranlage treibt langfristiges Wachstum und Nachhaltigkeit bei Flacipel in Guarulhos/Brasilien voran
27.03.2026Entwickelt von STADLER zur Unterstützung der Ziele einer deponiefreien Entsorgung und des langfristigen Wachstums, hat die 2020 eingeweihte Anlage den Betriebsumfang und die Marktposition von Flacipel grundlegend verändert. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie ein flexibles Anlagendesign Effizienz, Resilienz und kreislaufwirtschaftliche Ergebnisse selbst in komplexen Materialströmen freisetzen kann.
© STADLER Anlagenbau GmbH
Die STADLER Anlagenbau GmbH hat für Flacipel Comércio de Aparas e Sucatas Ltda, ein Unternehmen der Multilixo‑Gruppe, in Guarulhos im Bundesstaat São Paulo eine hochmoderne Sortieranlage konzipiert und gebaut. Die Anlage ging im Dezember 2019 in Betrieb und wurde im Februar 2020 offiziell eingeweiht. Seither bildet sie einen zentralen Pfeiler sowohl der Entwicklungsstrategie von Flacipel als auch der Recyclinginfrastruktur der gesamten Region.
Mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 200 t trockener Mischwertstoffe pro Tag wurde die Anlage darauf ausgelegt, einen äußerst heterogenen Inputstrom zu bewältigen, die Materialrückgewinnung zu maximieren und Ausschuss zu minimieren. Für Flacipel bedeutete das Projekt weit mehr als nur eine Kapazitätserweiterung. Wie Rubens Prinet, Betriebsleiter bei Flacipel, erläutert: „Betrachtet man den Werdegang von Flacipel innerhalb der Multilixo‑Gruppe, nahm die Sortieranlage in Guarulhos zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung eine strukturell strategische Rolle ein. Sie wurde nicht als ‚nur eine weitere Anlage‘ konzipiert, sondern als Wertschöpfungshub mit mehreren Ebenen.“
Eine Anlage, die als Plattform für Wachstum konzipiert ist
Von Beginn an verfolgte Flacipel ehrgeizige Ziele: Restabfälle sollten auf ein Minimum reduziert, 21 Fraktionen sortenrein abgeschieden und gleichzeitig die Flexibilität gewahrt werden, unterschiedliche Inputströme – von der selektiven Sammlung bis zu Büro‑ und Gewerbeabfällen – verarbeiten zu können. Diese Balance aus Effizienz und Anpassungsfähigkeit stellte eine erhebliche technische Herausforderung dar.
„Die Möglichkeit, den Materialeingangstyp zu wechseln, erfordert ein sehr durchdachtes Design“, erklärt Henrique Filgueiras, Vertriebsleiter bei STADLER do Brasil. „Unsere Aufgabe war es, eine Anlage zu schaffen, die in jedem Betriebsszenario konstant auf hohem Niveau arbeitet, ohne Kompromisse bei der Flexibilität einzugehen. Genau hier kommen der modulare Ansatz von STADLER und unsere Erfahrung mit komplexen Materialströmen zum Tragen.“
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Die Lösung umfasst eine Vorsortierstation, in der das Material zunächst nach Sackfarbe getrennt wird. Es folgt ein erster Klassierungsschritt mit einem STADLER Ballistikseparator, der Kartonage ausscheidet. Die vorklassierten Materialströme werden zwischengelagert und anschließend getrennt der Hauptsortierlinie zugeführt, die Dosieraggregate, Sacköffner und zwei weitere STADLER Ballistikseparatoren umfasst. Optische Sortierer, Windsichter, Magnetabscheider und Wirbelstromabscheider ermöglichen die Rückgewinnung eines breiten Spektrums an Fraktionen, darunter diverse Kunststoffarten, Folien und Farben, Papierqualitäten, Karton, Metalle sowie Ersatzbrennstoff (RDF).
Diese Konfiguration erlaubt es Flacipel, Prozesse und Anlageneinstellungen an jeden Materialstrom anzupassen und so eine gleichbleibend hohe Output‑Qualität sicherzustellen – selbst bei schwankender Input‑Zusammensetzung.
Vom Pilotprojekt zur langfristigen Vertrauenspartnerschaft
Die Entscheidung von Flacipel, eine Partnerschaft mit STADLER einzugehen, gründete auf jahrelanger Zusammenarbeit und praktischer Erfahrung. Silvio Urias, Geschäftsführer und Eigentümer der Multilixo‑Gruppe, erklärt: „Die Wahl von STADLER war nicht nur eine technische Entscheidung. Sie war eine strategische Positionierung für die Multilixo‑Gruppe und Flacipel – vergleichbar damit, in der ersten Liga zu spielen.“
Bereits sieben Jahre vor dem Bau der Anlage in Guarulhos betrieb die Multilixo‑Gruppe eine STADLER‑Sortierlinie mit einem STADLER Ballistikseparator, einem Sacköffner und optischen Sortierern. „Diese praktische Erfahrung war entscheidend, um die Technologie unter brasilianischen Bedingungen zu validieren und das Design der 2020 eingeweihten Anlage zu gestalten. So konnten wir Risiken minimieren und von Anfang an eine hohe Leistung sicherstellen“, erläutert Silvio Urias.
V.l.: Julia Stadler, Silvio Urias und Willi Stadler
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Der kooperative Ansatz setzte sich über den gesamten Projektlebenszyklus fort. „Die Sortieranlage von Flacipel wurde gemeinsam mit STADLER entwickelt – basierend auf realen Betriebserfahrungen, kontinuierlichen Tests sowie einer gemeinsam erarbeiteten Prozess‑ und Layoutgestaltung“, fügt er hinzu. Die Installation war in nur vier Monaten abgeschlossen; die anschließende Inbetriebnahme erfolgte durch das brasilianische STADLER‑Team und ermöglichte einen raschen Know‑how‑Transfer sowie einen reibungslosen Hochlauf auf den Vollbetrieb.
Ein Quantensprung bei Kapazität, Resilienz und Marktposition
Seit ihrer Inbetriebnahme hat die Anlage in Guarulhos die Arbeitsabläufe von Flacipel grundlegend gewandelt. Die monatlich verarbeitete Menge stieg von 4800 t auf 8000 t – mit Skaleneffekten, höheren Margen und einer deutlich stärkeren Verhandlungsposition.
„Wir sind heute in Bezug auf Volumen und Qualität ein Maßstab“, betont Silvio Urias. „Unser Betrieb ist widerstandsfähiger geworden. Für unsere Kunden bedeutet das einen stabilen Partner, geringere Umweltrisiken, verlässliche Daten und Kontinuität.“
Die gesteigerte Kapazität und Prozessstabilität haben zudem neue Geschäftschancen eröffnet. Dank garantiert hoher Rückgewinnungsquoten und eindeutiger Rückverfolgbarkeit konnte Flacipel zusätzliche Aufträge sichern – vor allem von Kunden, die eine deponiefreie Entsorgung ihrer Abfallströme suchen. „Flacipel ist zu einem vertrauenswürdigen Partner geworden, an den Kunden ihre Umweltaufgaben delegieren und im Gegenzug Planbarkeit, Sicherheit und dokumentierte Nachweise erhalten“, erläutert Urias.
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Das Engagement von STADLER endete nicht mit der Inbetriebnahme. Ein laufender Vertrag für Inspektionen und vorbeugende Instandhaltung sorgt dafür, dass STADLER‑Techniker die Anlage monatlich besuchen, die Serviceplanung unterstützen und Stillstandszeiten minimieren. Regelmäßige geschäftliche Besuche vertiefen die Partnerschaft zusätzlich und positionieren die Anlage in Guarulhos als Referenz für fortschrittliche Sortierlösungen in Brasilien.
Kreislaufwirtschaft heute und morgen ermöglichen
Auf regionaler Ebene spielt die Anlage eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Dank effizienter Sortierung und einer umfassenden Fraktionsrückgewinnung wird kein Material deponiert – jeder Outputstrom erhält eine klar definierte, nachhaltige Verwertung.
„Die Sortieranlage von Flacipel ist das zentrale Instrument zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft: Sie reduziert die Deponierung von Abfällen auf null und gewährleistet Umwelt‑Rückverfolgbarkeit“, erklärt Rubens Prinet. „Gleichzeitig hat sich das Projekt durch die Integration neuer Aggregate und Kapazitätserweiterungen weiterentwickelt und ist über das ursprüngliche Design hinaus zu einer dynamischen Industrieplattform gewachsen.“ Weitere Upgrades sind bereits in Arbeit, darunter eine Erweiterung der 3D‑Linie, um zusätzliche Fraktionen vollautomatisch zu sortieren.
© STADLER Anlagenbau GmbH
Für STADLER steht das Projekt in Guarulhos exemplarisch für den Wert langfristiger Zusammenarbeit und eines flexiblen Designs. Henrique Filgueiras fasst zusammen: „Diese Anlage zeigt, wie eine durchdachte Sortieranlage zum Wachstumsmotor werden kann. Durch die Kombination von Leistung, Anpassungsfähigkeit und enger Partnerschaft haben wir Flacipel geholfen, einen Betrieb aufzubauen, der nicht nur heute effizient ist, sondern auch für künftige Herausforderungen gerüstet.“
