Interzero eröffnet neuen Standort in Dessau und plant die Produktion von food-grade PP-Regranulat

Lebensmitteltaugliche Rezyklate aus dem Gelben Sack – Interzero leistet Pionierarbeit

Die europäische Verpackungsverordnung PPWR verpflichtet Unternehmen, zukünftig Recyclingrohstoffe in Verpackungen einzusetzen. Doch genau diese Rezyklate, die für kontaktsensitive Anwendungen wie Lebensmittel und Kosmetika geeignet sind, fehlen am Markt. Interzero hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem food-grade und near-food-grade Rezyklate aus dem Material im Gelben Sack mechanisch aufbereitet werden können. Für die Produktion eröffnet der europaweit tätige Kreislaufwirtschaftsdienstleister einen neuen Standort in Dessau und nimmt eine Vorreiterrolle ein.

© Interzero

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Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) führt verbindliche Mindestquoten für den Rezyklateinsatz in Verpackungen ein. So müssen nach aktuellem Stand ab 2030 Kunststoffverpackungen für Lebensmittel oder Kosmetikprodukte, die nicht aus PET sind, mindestens 10 % Post-Consumer-Rezyklat (PCR) enthalten, also Recyclingrohstoffe aus gebrauchten Verpackungen. Ab 2040 sind es sogar 25 %. Das Problem: Die Mengen sind heute am Markt noch nicht verfügbar, die Anforderungen an die Rezyklatproduktion hoch. Es besteht ein erheblicher Investitionsbedarf in die Sortierung und Aufbereitung, um die regulatorischen Anforderungen erfüllen zu können. Doch die Recyclingbranche steht durch hohe Energiekosten, schwankende Preise und die aktuell gedämpfte Nachfrage nach Rezyklaten unter Druck.

„Mit unserem neuen Standort für die Herstellung von Rezyklaten, die für kontaktsensitive Anwendungen geeignet sind, investiert Interzero, trotz des aktuell schwierigen Marktumfelds, weiterhin in das mechanische Recycling für den Bedarf von morgen. Mit diesem Schritt zeigen wir, wie leistungsfähig die Kreislaufwirtschaft sein kann, und bekennen uns klar zu einer Rohstoffsouveränität Europas“, so Jan Kroker, CEO von Interzero.

Input: Gelber Sack – Output: mechanisch recyceltes PP (mrPP) für hochwertige Anwendungen

Über fünf Jahre hat das Ingenieursteam um Thomas Herkert gearbeitet, um den optimalen Sortier- und Recyclingprozess für den Polypropylen-Wertstoffstrom (PP) aus dem Gelben Sack in Deutschland zu entwickeln. Der Feedstock für das neue Werk in Dessau kommt aus den Interzero-eigenen LVP-Sortieranlagen. In Dessau werden die Wertstoffballen zunächst zerkleinert und gewaschen und anschließend aufwendig nachsortiert und aufbereitet. Die Flakes werden im Folgenden zu hochwertigen Rezyklaten aufbereitet. Die notwendige Dekontamination wird vor Ort gemeinsam mit einem Partner erreicht. Das Endprodukt ist ein Rezyklat, das auch für Anwendungen mit hohen Anforderungen geeignet ist.

„Wir haben uns in der Produktentwicklung darauf fokussiert, einen Recyclingrohstoff zu schaffen, der für den Einsatz in der Heißabfüllung, für Mikrowellenprodukte oder für Lebensmittel mit hohem Fett- oder Säureanteil geeignet ist“, erklärt Thomas Herkert, Segmentleitung Sorting & Processing bei Interzero.

Pilotanlage produziert 5000 t mrPP-Granulat im Jahr

Alle Tests rund um den Sortier- und Recyclingprozess für die Pilotanlage sowie erste Tests für den Einsatz des Materials in Lebensmittelverpackungen wurden bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Pilotanlage, die zunächst auf eine Produktionskapazität von 5000 t mrPP ausgelegt ist, befindet sich im Bau. Das Zulassungsverfahren bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für den Einsatz der Regranulate in den Bereichen food-grade, near-food-grade und cosmetic wird aktuell eingeleitet.

Und: Das Projekt ist gut skalierbar. Mit dem von Interzero entwickelten Verfahren steht nun eine Lösung für den anteilsmäßig größten Teil an Hartkunststoffen aus der Haushaltssammlung zur Verfügung. Rund 11 % der Kunststoffverpackungen im Gelben Sack/der Gelben Tonne entfallen in Deutschland laut einer Verpackungsstudie der Hochschule Pforzheim aus dem Jahr 2024 auf PP.

„Durch die PPWR erhöht sich der Druck, Regularien zu adaptieren. Eine starke europäische Kreislaufwirtschaft braucht jetzt Handlungsspielraum. Am Ende zählt, wie sicher und einsatzfähig das Produkt ist – unabhängig vom Feedstock“, appelliert Jan Kroker, CEO von Interzero. „Um die Ziele der PPWR zu erreichen, braucht es ein Zusammenspiel starker Technologien. Für das PP-Recycling bedeutet das, mechanisches und chemisches Recycling komplementär zu nutzen, um möglichst viele Wertstoffe im Kreislauf zu führen. Jetzt gilt es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um das technologische Know-how auch wirklich nutzbar zu machen“, so Kroker weiter.

www.interzero.de

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