Circular Valley Forum 2026

Was Kreislaufwirtschaft mit Verantwortung und Kultur zu tun hat

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und Japans Generalkonsul Yoshitaka Tsunoda bringen gesellschaftliche Perspektiven auf die Circular Economy ein. Ihre Keynotes schlagen eine Brücke zwischen der Verantwortung für die Schöpfung, dem Strukturwandel im Ruhrgebiet und dem kulturellen Verständnis von Wertschätzung in Japan.

Bischof Franz-Josef Overbeck (links) und Yoshitaka Tsunoda, Generalkonsul Japans (rechts)
© Nicole Cronauge / Bistum Essen (links) und Japanisches Generalkonsulat (rechts)

Bischof Franz-Josef Overbeck (links) und Yoshitaka Tsunoda, Generalkonsul Japans (rechts)
© Nicole Cronauge / Bistum Essen (links) und Japanisches Generalkonsulat (rechts)
Kreislaufwirtschaft ist nicht nur eine Frage von Technologien, Geschäftsmodellen und industriellen Wertschöpfungsketten. Sie berührt auch grundlegende Fragen: Welche Verantwortung tragen wir für unsere natürlichen Lebensgrundlagen? Wie lässt sich wirtschaftlicher Wandel gestalten, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren? Und was können unterschiedliche Kulturen darüber lehren, wie wir mit Dingen und Ressourcen umgehen? Beim Circular Valley Forum am 13. November 2026 in der Historischen Stadthalle Wuppertal bringen zwei Redner diese gesellschaftlichen Perspektiven auf die Bühne: der Essener Ruhrbischof Dr. theol. Franz-Josef Overbeck und der japanische Generalkonsul Yoshitaka Tsunoda.

Unter dem Motto „Circular Valley – Succeeding together“ versammelt die Circular Valley Stiftung führende Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Während zahlreiche Beiträge zeigen, wie Unternehmen und Branchen Kreisläufe schließen und zirkuläre Geschäftsmodelle wirtschaftlich erfolgreich machen können, erweitern Dr. theol. Franz-Josef Overbeck und Yoshitaka Tsunoda den Blick auf die ethischen Grundlagen der Kreislaufwirtschaft und auf kulturelle Prägungen, die einen bewussteren Umgang mit Ressourcen fördern können.

Verantwortung für die Schöpfung – und für eine Industrieregion im Wandel

Dr. Franz-Josef Overbeck spricht in seiner Keynote „Stewardship of Creation through a Circular Economy“ über die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung. Als Ruhrbischof verbindet er diese Perspektive mit einer Region, deren Geschichte und Gegenwart eng mit der Industrie verknüpft sind. Der Wandel von Kohle und Stahl, der Rückgang industrieller Produktion und die Suche nach neuen wirtschaftlichen Perspektiven haben das Ruhrgebiet über Jahrzehnte geprägt.

Overbeck ist seit 2009 Bischof von Essen und hat damit zentrale Etappen dieses Strukturwandels begleitet. Seine Perspektive verbindet die Verantwortung für Umwelt und natürliche Lebensgrundlagen mit der Lebensrealität der Menschen, deren Arbeit und Zukunft eng an die industrielle Entwicklung der Region geknüpft sind.

Gerade darin liegt eine besondere Verbindung zur Circular Economy: Eine Kreislaufwirtschaft, die Materialien länger nutzt, Rohstoffe zurückgewinnt und Stoffkreisläufe schließt, eröffnet auch neue Perspektiven für Industriestandorte. Sie kann dazu beitragen, Ressourcen zu sichern und industrielle Wertschöpfung neu auszurichten. Für eine Region wie das Ruhrgebiet stellt sich deshalb nicht nur die ökologische Frage, wie Kreisläufe geschlossen werden können, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Frage, welche Zukunft daraus für Unternehmen, Beschäftigte und die Region entsteht.

„Der Bischof bringt zwei Perspektiven zusammen, die für die Kreislaufwirtschaft gleichermaßen wichtig sind: die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen in einer Industrieregion. Er kennt den tiefgreifenden Strukturwandel des Ruhrgebiets und weiß, was Veränderungen für die Menschen vor Ort bedeuten. Wenn wir es schaffen, hier industrielle Kreisläufe zu schließen, entstehen daraus auch neue Chancen für die Region“, sagt Dr. Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Circular Valley Stiftung.

„Leave a better place than you found it“: Was Japan über Wertschätzung von Ressourcen lehrt

Einen anderen Zugang eröffnet Yoshitaka Tsunoda, Generalkonsul Japans. Seine Keynote trägt den Titel „Leave a better place than you found it – Circular Economy in the Japanese Culture“. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle kulturelle Werte für einen bewussten Umgang mit Ressourcen spielen und was sich daraus für die Kreislaufwirtschaft lernen lässt.

Japan und Deutschland verbindet vieles: Beide Länder sind hoch entwickelte Industriestandorte, verfügen nur über begrenzte eigene Rohstoffressourcen und stehen vor der Aufgabe, ihre wirtschaftliche Stärke unter veränderten demografischen und globalen Rahmenbedingungen zu erhalten. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Unterschiede zwischen beiden Gesellschaften. Denn trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es unterschiedliche kulturelle Traditionen im Umgang mit Dingen, ihrer Nutzung und ihrem Wert.

In Japan bringt der Begriff „Mottainai“ eine Haltung zum Ausdruck, die Verschwendung ablehnt und Wertschätzung für Dinge und Ressourcen betont. Was steckt hinter dieser Haltung? Welche kulturellen Erfahrungen haben sie geprägt? Und welche Impulse kann sie für eine Gesellschaft geben, die Materialien möglichst lange nutzen und Abfälle vermeiden will?

„Japan und Deutschland haben als Industrieländer viele Gemeinsamkeiten und stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Umso interessanter ist der Blick auf einen wesentlichen Unterschied: die kulturelle Wertschätzung von Dingen und den Umgang mit Verschwendung. Von dieser Perspektive können wir lernen. Kreislaufwirtschaft braucht nicht nur neue Technologien und wirtschaftliche Anreize, sondern auch ein Bewusstsein dafür, welchen Wert Materialien haben“, sagt Dr. Carsten Gerhardt.

Damit ergänzen die Beiträge die industriellen Diskussionen des Circular Valley Forums um zwei grundlegende Dimensionen. Denn geschlossene Stoffkreisläufe entstehen nicht allein durch technische Innovationen oder neue Geschäftsmodelle. Sie setzen auch voraus, dass Menschen Verantwortung übernehmen, Unternehmen ihre Entscheidungen an langfristigen Zielen ausrichten und Gesellschaften den Wert ihrer Ressourcen erkennen.

www.circular-valley.org