ICBR in Salzburg

25. Internationaler Kongress für Batterierecycling

Gerade zum richtigen Zeitpunkt fand eine der wenigen Präsenzveranstaltungen dieses Jahres in Salzburg/Österreich statt, der 25. Internationale Kongress für Batterierecycling.

Präsenzveranstaltung ist nicht ganz richtig – der Batterierecyclingkongress wurde als hybride Veranstaltung durchgeführt. Nach Auskunft der Veranstalter wurden beide Möglichkeiten gut genutzt, die Möglichkeit der digitalen Teilnahme ist natürlich für Fachleute aus weiter entfernten Erdteilen und im derzeitigen Rahmen der Reisemöglichkeiten eine gute Variante, trotzdem an Veranstaltungen teilnehmen zu können. Der Kongress und die Firmenausstellung fanden weiträumig auf zwei Etagen verteilt im Salzburg Congress statt, so dass sich bei einem ausgefeilten Hygienekonzept die ca. 100 Fachleute der Präsenzveranstaltung wohl und sicher fühlen konnten – insgesamt verzeichneten die Veranstalter 191 Teilnehmer aus aller Welt.

„Das 25-jährige Jubiläum der Konferenz in Salzburg wird sich insbesondere auf Technologien des Batterierecyclings konzentrieren. Die drei Tage werden für die internationale Community von Experten und Entscheidungsträgern der Batterie-Recycling-Wertschöpfungskette eine Bereicherung sein“, stellte die österreichische Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie Leonore Gewessler, BA, in ihrer Willkommensadresse heraus.

Dr. Jean-Pol Wiaux, Vorsitzender des Lenkungsausschusses Internationaler Kongress für Batterie-Recycling, wies in seinem Vorwort unter anderem darauf hin: „Up-to-date Batterietechnologie wurde zu einer der führenden Zwischenspeichertechnologien für elektrische Energie. Daher wird eine weitere industrielle Revolution ähnlich der Entwicklung der Elektrizität vor einem Jahrhundert erwartet. Das Batterie-Recycling ist der Schlüssel für die Entwicklung der Batterieindustrie, da es die Batterie-Lieferkette erheblich beeinflussen wird.“

Die zweitägige Vortragveranstaltung wurde nach einleitenden Worten von Dr. Jean-Pol Wiaux mit einer Reihe von Plenumsvorträgen eröffnet.

Die Themenreihe startete mit einem Vortrag zu gesetzlichen Regelungen innerhalb der EU für die gesamte Wertschöpfungskette von Batterien. Unter der Überschrift „Der neue Rechtsrahmen für Batterien: – Die Maßnahmen entlang der Wertschöpfungskette“ stellte Mattia Pellegrini, Europäische Kommission/Belgien die derzeit gültigen Vorschriften sowie die zukünftigen Strategien in Hinsicht auf neu zu schaffende Regulierungen vor.

In der Präsentation “MOONCITY: On a Mission to the Future” stellte Leopold Fellinger, Porsche Austria GmbH & Co OG, MOONCITY/Österreich, ein interessantes Konzept zur Erhöhung der Akzeptanz von Elektromobilität vor. Der Begriff MOONCITY steht dabei für ein neu konzipiertes „Competence-Center for New and Electric Mobility”. Fellinger stellte eine Analyse der Akzeptanz von Elektromobilität – sprich Elektroautos – vor. Dabei kam man zu dem Schluss, dass Nutzer noch Vorbehalte bezüglich der Kosteneffizienz, der Ladeinfrastruktur und zu weniger Wahlmöglichkeiten unter den angebotenen Modellen haben. Mit MOONCITY will Porsche die Elektromobilität erlebbar machen und gleichzeitig technischen Support anbieten. Das neue Kompetenzzentrum wendet sich sowohl an die breite Öffentlichkeit als auch an die Partner, Händler und Kunden von Porsche.

Roman Stiftner vom Fachverband der NE-Metallindustrie/Österreich ging in seiner Präsentation „Batterie Rohstoffe in der Kreislaufwirtschaft am Beispiel von Österreich“ auf den Bedarf an Rohstoffen für die zukünftige Batterieproduktion, die politischen Rahmenbedingungen und die Möglichkeiten und Herausforderungen beim Recycling der unterschiedlichen Batterietypen am konkreten Beispiel Österreich ein.

Im Beitrag „Wie SMaRT MICROfactoriesTM zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft für Batterierohstoffe beitragen“ stellte Prof. Veena Sahajwalla von der Universität New South Wales in Australien ein Projekt vor, bei dem die Rohstoffe aus den Batterien lokal in Form von Microrecycling und darauf abgestimmten Technologien wiedergewonnen werden.

Im Anschluss an die Plenarvorträge wurden einzelne Sessions zu folgenden Themen angeboten:

Recyclingstrategie und Innovationen

Gefahr, Risiko und Sicherheit

Recycling: Kommerzielle Projekte

Den Abschluss des ersten Vortragstages bot eine Panell-Diskussion zum Thema „Bewertung von Möglichkeiten zur Verbesserung des EU-Rechtsrahmens für Batterien“ – unter der Leitung von Patrick de Metz, Saft/France diskutierten Dr. Alain Vassart, EBRA/Belgien, Hans Craen, EPBA/Belgien, Frédéric Hédouin, EUCOBAT/Belgien, Dr. Georg Mehlhart, Mehlhart Consulting/Deutschland und Dr. Claude Chanson, RECHARGE/Belgien über den Einsatz von Primärbatterien, recycletem Material, Sammelziele, aktuelle Gesetzgebung sowie generelle politische Rahmenbedingungen.

Natürlich kam auch der fachliche Austausch und das Netzwerken nicht zu kurz. Insgesamt 8 Firmen präsentierten ihre Produkte in der Ausstellungsfläche, in der auch die Kaffeepausen stattfanden – so dass in entspannter Atmosphäre weiter über das ein oder andere Detail mit Teilnehmern und Ausstellern diskutiert werden konnte.

Das gleiche Ziel – andere Location: am Abend ging es in die historische Altstadt von Salzburg. Begleitet von der Musik von Mozart – wie sollte es in Salzburg anders sein – wurde das 25. Jubiläum der ICBR in Europas ältestem Restaurant im St. Peter Stiftskulinarium begangen. Natürlich kam hier der Austausch unter Kollegen zu den interessanten Beiträgen des Tages nicht zu kurz.

Auch der zweite Vortragstag war gefüllt mit interessanten Beiträgen zu den Schwerpunkten:

Recycling: Labor- und Pilotanlagen

Trennung von Batteriebestandteilen

„Second life“ – derzeitiger Entwicklungsstand

Entwicklung von Recyclingtechnologien

Kreislaufwirtschaft

Da Exkursionen bei der derzeitigen Lage nicht realisierbar sind, wurde für den letzten Kongresstag ein Workshop zum Thema „Li-Batterie-Schrott: Klassifizierung und Transport“ angeboten. Im Rahmen des Workshops wurde eine Überprüfung der bestehenden Klassifizierung von Batterien als Abfall in der EU und Nordamerika vorgeschlagen, außerdem soll der Weg für zukünftige Verbesserungen geebnet werden, insbesondere die Auswahl der Kriterien, die für die Abfallklassifizierung in Betracht kommen.

Natürlich sind momentan Vorsicht und überlegtes Handeln, Abstand und reduzierte Kontakte alles sehr sinnvolle Maßnahmen – aber man hat durchaus den Unterschied zwischen einem digitalen Treffen im Netz und einer Präsenzveranstaltung gemerkt, einer sehr gut konzipierten und durchdachten Veranstaltung mit vielen Diskussionen und Inputs.

Die Präsenz-Veranstaltung ist beendet, aber wenn Sie dieses Jahr nicht nach Salzburg reisen konnten, können Sie sich immer noch anmelden, um Zugang zu allen Präsentationen, Interviews und Workshops zu erhalten, die auf der Konferenz präsentiert werden. Weitere Informationen finden Sie auf der ICM-Website https://icm.ch/en/past-events-overview/past-events-icbr

Die ICBR 2021 findet vom 22. bis 24. September 2021 in Genf, Schweiz, statt.

www.icm.ch

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