Interessante Einblicke

23. Internationaler Batterie-Recycling-Kongress ICBR 2018

Vom 26. bis zum 28. September kommen die Batterie-Recycling-Experten aus aller Welt zum diesjährigen Internationalen Batterie-Recycling-Kongress ICBR 2018 in Berlin/Deutschland zusammen.

Der Kongress bietet eine hervorragende Gelegenheit zum Austausch von Neuigkeiten, Meinungen und Ideen mit Experten aus allen Bereichen der Batterie-Recycling-Branche. Auch in diesem Jahr haben die Organisatoren wieder ein interessantes und höchst abwechslungsreiches Programm für die Fachbesucher zusammengestellt. Als Hauptredner heißt der ICBR eine Reihe ausgezeichneter Spezialisten willkommen:

Prof. Kerstin Kuchta (Technische Universität Hamburg/Deutschland)

Didier Marginèdes (Blue Solutions/Frankreich)

Gudula Schwan (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur/Deutschland)

Prof. Kerstin Kuchta bietet einen zusammenfassenden Überblick über den Batte­rie­­markt und die Kreislaufwirtschaft. Im Vorfeld der Konferenz hatte der Organisator die Möglichkeit, mit Frau Prof. Kerstin Kuchta zu sprechen. In fol-gendem Interview bot sie eine Reihe interessanter Einblicke.

Professor Kuchta, das Kreislaufwirtschaftspaket der EU wurde erst vor ein paar Wochen verabschiedet. Welche Impulse erwarten Sie davon auf dem Gebiet des Batterie-Recyclings?

Prof. Kerstin Kuchta: Das Kreislaufwirtschaftspaket der EU hat in ganz Europa viele Diskussionen ausgelöst. Die in Deutschland gegen das Paket erhobene Kritik lautet, dass es nicht ehrgeizig oder spezifisch genug sei, um die beabsichtigte Transformation der Wirtschaft zu bewirken. Zweifellos wurden Anstöße gegeben, grundlegend anzuerkennen, dass selbst komplexe Produkte nach der Nutzungsphase nicht Abfall werden, sondern dass es sich dabei um Ressourcen handelt, die entweder zur Wiederverwertung verfügbar gemacht oder zur Nutzung im Produktionssektor recycelt werden müssen. Dadurch werden das Produktdesign und die Bereitstellung und Zugänglichkeit von Sekundärrohstoffen auch für Batterien immer wichtiger.

Durch Veränderungen im Transportsektor und bei der Energieversorgung sowie aufgrund des Trends hin zu einem allgemein mobileren Lebensstil erhalten die Produktion und die Weiterentwicklung von Batterien, und damit auch die Rohstoffversorgung, größere Bedeutung.

Nach Ansicht der EU ist es Aufgabe der Kreislaufwirtschaft, die Industrie mit Rohstoffen zu versorgen. Welche Rolle kann Batterie-Recycling bei der Erreichung dieses Ziels spielen?

Prof. Kerstin Kuchta: Rohstoffe zur Herstellung von Batterien, wie Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan sind seltene oder kritische Rohstoffe und die Nachfrage nach ihnen kann von den Bergwerken in Europa nicht gedeckt werden. Die primäre Extraktion findet größtenteils in wenigen Regionen der Welt und in politisch instabilen Situationen statt. Das Recycling von Batterien hilft, die Versorgungsrisiken zu reduzieren. Gleichzeitig minimiert Recycling die Energieintensität in der Produktionskette. Das Recycling von Metallen erfordert bis zu 80 % weniger Energieeinsatz im Vergleich zur Primärproduktion, was sowohl die Umwelt als auch das Klima schützt.

Vor einiger Zeit sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür aus, dass Europa seine eigenen Produktionskapazitäten für Batteriezellen aufbaut, um die Abhängigkeit von Importen aus Asien zu reduzieren. Ist das eine gute Idee?

Prof. Kerstin Kuchta: Batterie- und Speichersysteme unterstützen Schlüsseltechnologien und stärken Europa als Produktionsstandort durch ausreichende, effiziente und innovative Verfügbarkeit. Das Recycling und die Wiederverwendung von Batterien und der Materialien, aus denen sie bestehen, als Mittel zur Bereitstellung von Rohstoffen wird sich auf die Produktionstechnologien auswirken und die Errichtung innovativer Fertigungseinrichtungen in ganz Europa fördern.

Inwieweit könnten Batterie-Recycler von der Batterie-Herstellung in Europa profitieren?

Prof. Kerstin Kuchta: Die Schaffung einer größtenteils geschlossenen Wertschöpfung in der Kreislaufwirtschaft fördert nicht nur die gegenseitige Wertschätzung aller Stakeholder, sondern auch Innovationen im System als Ganzes. Dazu gehören Recycling, Wiederverwendung, Verarbeitung und nicht zuletzt Produktdesign. Die geographische Nähe fördert im Allgemeinen das gegenseitige Verständnis, größeres Interesse und die Entwicklung von Geschäftsmodellen. Rechtliche oder wirtschaftliche Begleitmaßnahmen, die eingeführt wurden, um beispielsweise die Wiederverwendung von Materialien und den Ausschluss von Gefahrstoffen zu fördern, können in Europa umgesetzt werden.

Ihr Eröffnungsvortrag beim ICBR 2018 trägt den Titel “Batterien und Kreislaufwirtschaft”. Welche Punkte werden im Zentrum Ihres Vortrags stehen?

Prof. Kerstin Kuchta: Anders als Kunststoffe, organische Abfälle oder Bauschutt haben Batterien einen vergleichsweise niedrigen Massenfluss. Hinsichtlich der Qualität und des Werts ihrer Komponenten, ihrer Komplexität und ihrer wachsenden Bedeutung stellen sie jedoch einen bedeutenden Materialfluss in der Kreislaufwirtschaft dar. Die Kernpunkte meines Vortrags, d.h. die Möglichkeiten und Grenzen von Kreislaufwirtschaft, Produktdesign und Qualität sowie Wiederverwendung, Recycling und Kaskadennutzung, werden sowohl für Batteriematerialien als auch für ihre Systeme dargestellt und erörtert.

Interessenten sollten diese Möglichkeit zum Austausch von Neuigkeiten, Meinungen und Ideen mit Experten aus allen Bereichen des Batterierecyclingsektors nicht verpassen. Details zum Programm und zum Anmeldungsverfahren befinden sich unter:

https://www.icm.ch/icbr-2018

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