Ohne Kreislaufwirtschaft kein Green Deal

Im Rahmen ihrer Bilanz-Pressekonferenz präsentierte die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) ein Zukunftspaket zur Kreislaufwirtschaft mit umfangreichen Maßnahmen. Nur mit gemeinsamen Anstrengungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird es Österreich gelingen, die EU-Ziele für Sammlung und Recycling zu erreichen. Der heimische Marktführer der Sammel- und Verwertungssysteme versteht sich dabei nicht nur als Treiber für die Kreislaufwirtschaft in Österreich, sondern vor allem als unentbehrlicher Partner für Wirtschaft, Politik und KonsumentInnen. Mit rund 1,08 Mio. t an gesammelten Verpackungen und Altpapier schließt man 2020 trotz der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nahezu nahtlos an das Rekordergebnis 2019 an (- 0,6 % im Vergleich zu 2019).

 

2021 – Jahr der Kreislaufwirtschaft

Alfred Berger
© Mario Pernkopf

Alfred Berger
© Mario Pernkopf
„Die ARA hat bereits seit Jahren die heimische Wirtschaft auf eine grundlegende Transformation unseres ökonomischen Handelns im Sinne von Klimaschutz und Ressourcenschonung vorbereitet. Der New Green Deal der EU schreibt diesen Wandel fest, und diesen gibt es nicht ohne Kreislaufwirtschaft und nur mit dem starken Partner ARA. Österreich agiert hier im internationalen Vergleich als Vorreiter und Vorbild. Die ARA hat sich für 2021, das Jahr der Kreislaufwirtschaft, mit einem Zukunftsmodell und einer neuen Vorstandskonstellation gut aufgestellt, um gemeinsam mit Politik und Wirtschaft die großen Herausforderungen zu meistern“, erläuterte Alfred Berger, Aufsichtsratsvorsitzender der ARA AG.

 

Stabil durch die Krise

Christoph Scharff
© Mario Pernkopf

Christoph Scharff
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Trotz der durch COVID-19 bedingten Ausnahmesituation war die Entsorgungs- und Versorgungssicherheit für Haushalte und Betriebe in Österreich stets gewährleistet, erläuterte ARA Vorstand Christoph Scharff. Ungeachtet der international angespannten Marktlage ist es der ARA gelungen, die heimische Wirtschaft weiterhin mit hochwertigen Sekundärrohstoffen zu versorgen. „Wir sind Partner der Wirtschaft. Daher haben wir unsere Tarife trotz angespannter Marktsituation nicht erhöht und arbeiten an weiteren Optimierungen in diesem Bereich“, hielt Scharff fest. Das ARA Verpackungsrecycling liefert unverändert jährlich rund 700 000 t Recyclingrohstoffe und entlastet das Klima jedes Jahr um rund 500 000 t CO2-Äquivalente. Und der Zuspruch zur Mülltrennung ist auch in Krisenzeiten hoch: Mehr als 1 Mio. t Verpackungen und Altpapier wurden von den österreichischen Haushalten 2020 getrennt gesammelt – ein Ergebnis nur knapp unter dem Rekordresultat des Vorjahres und „angesichts der besonderen Umstände keine Selbstverständlichkeit“, so Scharff.

Österreich sieht die Kreislaufwirtschaft nach wie vor als Chance – sowohl Unternehmen als auch KonsumentInnen. Bei der Bevölkerung sind 83 % der Befragten bereit, sich beim richtigen Trennen und Sammeln noch mehr anzustrengen (Marketagent im Auftrag der ARA, n = 1001) Der Anteil, der in Circular Economy investierenden Unternehmen, wiederum hat sich im „Circular Economy Barometer“ (GfK im Auftrag von ARAplus, n = 150) seit 2019 deutlich von 50 % auf 69 % erhöht, bei großen Unternehmen sind es sogar 77 %. Im Vergleich dazu investieren allerdings nur 57 % der kleinen Betriebe aktuell in die Kreislaufwirtschaft.

„Hier haben wir großen Nachholbedarf“, räumte ARA Vorstand Harald Hauke ein, „allerdings ist das Interesse groß: Bei unseren Grundlagen-Webinaren melden sich jeweils bis zu 1000 TeilnehmerInnen an.“

 

Zukunftspaket: Gemeinsam für die Kreislaufwirtschaft

Harald Hauke
© Mario Pernkopf

Harald Hauke
© Mario Pernkopf
So wie der New Green Deal der EU an der gesamten Wertschöpfungskette ansetzt, berücksichtigt auch das ARA Zukunftspaket zur Kreislaufwirtschaft alle Bereiche – von Produktgestaltung und Produktion über Konsum zu Sammlung und Verwertung, verbunden mit ambitionierten Digitalisierungsmaßnahmen. „Dabei geht es nicht nur um die Erreichung von Sammel- oder Recyclingquoten. Es geht um neues, tragfähiges Zukunftsmodell für den Klimaschutz, in dem Ressourcenschonung und Rohstoffsicherheit selbstverständlich sind, in dem die Industrie Investitionssicherheit genießt und in dem es einen funktionierenden Markt für Rezyklate und deren Einsatz in allen möglichen Produkten gibt – von Baustoffen über die Elektroindustrie bis hin zur Autoproduktion. Dazu wollen wir jede Verpackung zurück fürs Recycling“, erklärte Hauke.

Zentrales Ziel ist die Steigerung im Kunststoffrecycling – „hier müssen wir das Recycling bis 2025 verdoppeln“, so Scharff. „Wir werden die Haushaltssammlung ausbauen und sukzessive von Bring- auf Holsysteme umstellen. Derzeit laufen dazu vielversprechende Pilotversuche, etwa in Kärnten. Zudem müssen wir die Sammlung im Event-, Freizeit- und Außer-Haus-Bereich wesentlich steigern – hier sind wir mit dem Pilotprojekt Big Belly Solar, einem energieautarken, intelligenten Sammelbehälter, in verschiedenen Städten stationiert.“

Die Sammlung von Leicht- und Metallverpackungen soll zudem bundesweit vereinheitlicht werden – Kunststoffverpackungen, Getränkekartons und Metallverpackungen gemeinsam in der Gelben Tonne und im Gelben Sack zu sammeln macht Sinn. Als Erfolgsbeispiel nannte Scharff die Bundeshauptstadt Wien: Seit der Systemumstellung 2019 hat sich die Sammelmenge um rund 11 % erhöht. Bei den PET-Flaschen gibt es ein Plus von 26 %, bei den Getränkedosen beträgt es 24 % und bei Getränkekartons 30 %.

Im Gewerbeabfall wiederum, so Scharff weiter, steckt ein ungenutztes Potenzial von rund 50 000 t Kunststoffverpackungen in teils sehr guter Qualität – allerdings enthalten in einer Menge von 1 Mio. t Abfall. Daher braucht es aus Sicht der ARA eine gesetzlich definierte Trennpflicht und ein Verwertungsgebot für gewerbliche Verpackungen, damit die Sammelmenge in diesem Bereich um 40 % gesteigert werden kann. „Wir begrüßen und unterstützen die Initiative des Klimaschutzministeriums, in den Novellen von Abfallwirtschaftsgesetz und Verpackungsverordnung das große Potenzial an Verpackungen aus Handel, Gewerbe und Industrie gezielt zu nutzen.“

 

Gamechanger Circular Design und Digitalisierung

Christoph Scharff, Harald Hauke, Alfred Berger
© Mario Pernkopf

Christoph Scharff, Harald Hauke, Alfred Berger
© Mario Pernkopf
Bis 2030 müssen alle Kunststoffverpackungen in der EU recyclingfähig sein – ein aufwändiger technischer Prozess, der sich allerdings durch günstigere Tarife für entsprechend optimierte Verpackungen bezahlt macht. „Circular Design ist der Gamechanger für die Industrie“, betonte Hauke. Bereits jetzt nutzen mehr als 500 Kunden aus allen Branchen den ARA Recycling Compass zur Bewertung der Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen. „Umweltfreundliche Verpackungsgestaltung ist ein Hightech-Prozess. Die Wirtschaft arbeitet mit Hochdruck daran, die Anfragen mehren sich von Tag zu Tag. Was bislang noch fehlt, sind rechtliche Kriterien: Was ist eine umweltfreundliche Verpackung aus Sicht des Gesetzgebers?“

Um die Recyclingziele zu schaffen, setzt die ARA darüber hinaus auf eine vollständige Digitalisierung entlang der Wertschöpfungskette: Entpflichtung mit einer digital gestützten Klassifizierung, Online-Dashboards für das Abfallmanagement, digitale Notifizierung, QR-Codes für das Reporting, smarte und sensorbasierte Container und Hightech-Sortieranlagen. „Entsprechende Modellversuche und Forschungskooperationen sind in ganz Österreich bereits angelaufen und entwickeln sich hervorragend. Digitales Stoffstrommanagement stellt einen wesentlichen Schlüssel für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft dar“, betonte Hauke. „Wir freuen uns, dass die neue FTI-Initiative Kreislaufwirtschaft des Klimaschutzministeriums das Thema Recycling als einen von vier Schwerpunkten gewählt hat, damit auch die Forschung den notwendigen Rückenwind erhält.“

„Österreich hat eine gute Startposition im europäischen Kontext, es gibt aber noch viel zu tun. Wir sehen uns mit unserem Zukunftspaket als Experte und Treiber der Kreislaufwirtschaft. Nur mit gemeinsamen umfassenden Maßnahmen können wir die EU-Ziele erreichen und das Klima entlasten – ohne die Wirtschaft zu gefährden oder die KonsumentInnen zusätzlich zu belasten“, betonen die ARA Vorstände abschließend.

www.ara.at

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