Coverstory 2|2017

Prozesse optimieren mit mobilen Wiegesystemen

1979 gründete Hans-Günther Pfreundt eine Firma zur Herstellung mobiler Wiegesysteme und ab 1983 kam das erste mobile eichfähige Wiegesystem auf den Markt. Hans-Günther Pfreundt war überzeugt, dass die Idee und auch der Bedarf, bewegliche Arbeitsmaschinen mit einer eichfähigen Waage auszustatten, zu dieser Zeit ganz offensichtlich auf der Hand lagen – und wie er sagt: „Der Markt war reif dafür!“

 Seitdem plant, entwickelt und verkauft das Unternehmen PFREUNDT GmbH mobile Wiegesysteme sowie Software und Datenübertragungssysteme für die weltweiten Märkte der Gewinnungs-, Entsorgungs- und Recyclingindustrie. Startete das Unternehmen zu Beginn noch mit einer Handvoll Mitarbeitern im Keller des Privathauses von Hans- Günther Pfreundt, ist seitdem ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen. Aktuell beschäftigt die PFREUNDT GmbH 94 Mitarbeiter und hat bereits mehr als 40 000 Wiegesysteme weltweit geliefert.

Die integrierten Wiegesysteme werden in den unterschiedlichsten Anwendungen eingesetzt, wie z.B. in Abroll- oder Absetzkippern, Baggern, Brechern, Förderbändern, Krane, Rad- oder Frontladern, Teleskopladern, Staplern, um direkt im Arbeitsfluss das Gewicht zu ermitteln. Zusätzlich bietet die PFREUNDT GmbH ein umfassendes Produktportfolio für die stationäre Verwiegung, wie z.B. Fahrzeugwaagen, Achslastwaagen, Plattformwaagen oder Industrie- und Laborwaagen.

Ein wesentliches Ziel des Unternehmens war es von Anfang an, Produkte von hoher Qualität zu liefern. Sie werden durch ständige Weiterentwicklung den Anforderungen der Märkte, aufgrund ihrer Eichfähigkeit auch der Gesetzgebung, sowie den Bedürfnissen der Kunden angepasst. Bisher liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten im Gewinnungsbereich. Die Recyclingbranche ist jedoch ein vielversprechender Markt, der in Zukunft noch stärker im Fokus stehen soll. Die exakte Verwiegung der Materialströme spielt in diesem Bereich eine immer größere Rolle, da die eigentliche Wertschöpfung über den Wiederverkauf der sortenrein aufbereiteten Materialien generiert wird. Abgerechnet wird nach Gewicht.

Bereits seit 2009 zählt die IMR Innovative Metal Recycling GmbH mit dem Hauptstandort in Krefeld und einer Niederlassung in Siegen zu den Kunden der PFREUNDT GmbH. Verteilt auf beide Standorte hat die IMR über die Jahre insgesamt 6 Baggerwaagen und 4 Radladerwaagen angeschafft. Der Metall-Recycler beschäftigt sich mit der Aufbereitung und dem Handel mit unterschiedlichen Sekundärrohstoffen zu sortenreinen Qualitäten, die z.B. Schmelzbetrieben zugeführt werden, um damit hochwertigen Edelstahl zu produzieren. Ein weiteres Geschäftsfeld der IMR sind die Aufbereitung und der Handel von Buntmetallen.

Insgesamt verarbeitet die IMR anfallende legierte Schrotte, NE-Metalle, Fe-Schrotte oder Verbundstoffe, um sie durch ein effektives Recycling wieder in den Wirtschaftskreislauf einzugliedern und den immer geringer werdenden Primär-Rohstoffaufof kommen entgegenzuwirken. Sobald die sortenrein aufbereiteten Stoffströme, wie Alu-, Kupfer-, Messing-, Zink-Schrott u.a., zur Verladung auf LKW oder Waggons bereitgestellt werden, kommt es auf die genaue Gewichtsermittlung mit Hilfe der mobilen Wiegesysteme der PFREUNDT GmbH an.

Inwieweit sich mit den mobilen Wiegesystemen der PFREUNDT GmbH Arbeitsabläufe und Prozesse effizienter gestalten lassen, war Thema eines Gespräches, das Ulrike Mehl, Redakteurin der recovery – Recycling Technology Worldwide mit Katja Mattejat aus der Marketingabteilung und mit Michael Buning, Vertriebsmitarbeiter der PFREUNDT GmbH, führte:

recovery: Welche Möglichkeiten sehen Sie für Ihr Unternehmen in der Recyclingbranche?

Katja Mattejat: In der Recycling- bzw. Entsorgungsbranche arbeiten viele Unternehmen noch ausschließlich mit stationärer Verwiegung. Daher haben wir hier die Möglichkeit, mit unseren mobilen Wiegesystemen – wie schon in anderen Industriebereichen – zur Effizienzsteigerung beizutragen. Zum einen geht es um die genaue Ermittlung der Kosten. Wenn ich weiß, wie viel Gewicht verladen wurde, kann ich eine korrekte Abrechnung erstellen und vermeide Verluste. Zum anderen lassen sich Betriebsabläufe optimieren und dadurch Kosten sparen.

recovery: Welche Vorteile haben die mobilen Wiegesysteme gegenüber der stationären Verwiegung?

Michael Buning: Im Gegensatz zu den stationären Waagen wird mit mobilen Waagen in Lademaschinen, wie z.B. Radladern, Staplern oder Baggern, direkt beim Laden das Transportgewicht ermittelt. Dadurch lassen sich Überladungen vermeiden und überflüssige Fahrtzeiten zur stationären Waage einsparen. Mit unseren mobilen Wiegesystemen können also die Transportkapazitäten direkt bei der Beladung optimal genutzt werden. Der LKW muss mit der Ladung beim Verlassen des Betriebsgeländes also nicht mehr über eine stationäre Waage fahren, er kann sich direkt auf den Weg machen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Arbeitet ein Betrieb nur mit stationären Waagen, ist eine Erstverwiegung und eine Zweitverwiegung vorgeschrieben. D.h. zunächst fährt der LKW leer über die Waage, um das Leergewicht zu ermitteln. Dann erfolgt die Beladung mit dem Transportgut, und der LKW fährt zur Zweitverwiegung über die Waage. Wurde zu wenig oder zu viel geladen, muss der LKW Material nachladen oder abladen. Bis das genaue Zielgewicht erreicht ist, fährt der LKW im schlechtesten Fall mehrmals auf die stationäre Waage. Das kann zu einem beachtlichen Zeitverlust im Betriebsablauf führen.

Katja Mattejat: Das Angebot der mobilen Wiegesysteme beschränkt sich nicht nur auf den Bereich der Verladung, sondern kommt auch direkt beim Transport zum Einsatz. Dadurch lassen sich Transportmassen, Transportzeiten, Entfernungen, Lade- und Wartezeiten erfassen und auch bewerten. Dadurch können wir wiederum Optimierungspotenziale im Betriebsablauf erkennen und unsere Kunden entsprechend beraten. Dafür haben wir in den letzten Jahren entsprechende Softwarelösungen entwickelt, die unseren Kunden Zugriff auf die Wiegedaten ermöglichen und damit die Auswertung erleichtern. Seit 2015 bieten wir das PFREUNDT Web Portal an, das den automatischen Datenaustausch mit den mobilen Waagen ermöglicht. Die Anwender haben praktisch jederzeit und überall – ob im Büro, auf dem PC oder von unterwegs über Smartphone und Tablet – Zugriff auf die Daten. Das Portal stellt außerdem individuelle Auswertefunktionen und Schnittstellen für die Weiterverarbeitung in den eigenen Systemen der Kunden zur Verfügung. Ohne Installation zusätzlicher Software können unsere Kunden einfach per Web-Browser auf sämtliche Funktionen des PFREUNDT Web Portals zugreifen.

recovery: Wie funktioniert die direkte mobile Verwiegung?

Michael Buning: Ich erkläre das am besten an unserer WK60, die wir 2015 als erste mobile Waage mit Touch-Display und Anbindung an das PFREUNDT Web Portal eingeführt haben. Die WK60 ist unser Flagschiff, sie hat verschiedenste Schnittstellen für Drucker, Netzwerk, CAN-Bus, einen großen Speicher für die Stammdaten und Benutzerverwaltung, einen Kalibrierdatenspeicher für zusätzliche Anbaugeräte, Funkdatenübertragung per WLAN und vieles mehr. Die Bedienung dieser mobilen Waage ist sehr einfach, vergleichbar mit der Bedienoberfläche von einem Smartphone oder einem Tablet. Sobald der Fahrer das Gerät einschaltet, das in der Kabine befestigt ist, sind die verschiedenen Funktionen über entsprechende Symbole zu erkennen und es ist intuitiv ersichtlich, was zu machen ist. Der Fahrer gibt über die Zielgewichtsfunktion direkt das Gewicht ein, das geladen werden soll, z.B. 20 t Metallschrott. Also packt der Greifarm vom Teleskoplader, an dem über Sensoren das Gewicht jeder einzelnen Ladung ermittelt wird, so oft in den Schrott und belädt den LKW, bis das Zielgewicht erreicht ist.

recovery: Dann ist die genormte Präzision Ihrer Wiegesysteme ein wichtiger Faktor für den gesamten Betriebsablauf. Wer ist für die erstmalige Kalibrierung und Eichung Ihrer Wiegesysteme zuständig?

Michael Buning: Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen im Warenumschlag, sind die hier eingesetzten Wiegesysteme eichpflichtig. Die PFREUNDT GmbH verfügt über alle erforderlichen Zulassungen, sowohl national als auch international, die Wiegesysteme geeicht auf den Markt zu bringen. Wir unterhalten zu diesem Zweck eine eigene Metrologie-Abteilung. Die Metrologie verwaltet Messnormen, und sorgt für die weltweite Akzeptanz und Vergleichbarkeit von Messungen, sodass die Genauigkeit der Messergebnisse allgemein anerkannt wird. Durch die Metrologie wird also sichergestellt, dass kalibrierte Waagen genaue Ergebnisse mit nachweisbarer Gültigkeit liefern. Bei der Auslieferung montieren unsere Service- Techniker nicht nur die Waagen an den Fahrzeugen – unabhängig vom Fahrzeugtyp. Sie kommen mit einem unserer insgesamt sechs PFREUNDT- Eich-LKW, komplett ausgerüstet mit 15 t Eichgewichten und Hebekran, um vor Ort bei dem Kunden die sogenannte Konformitätsbewertung durchzuführen. Diesen Service bieten wir unseren Kunden bundesweit an.

recovery: Müssen die Wiegesysteme in bestimmten Zeitintervallen nachjustiert werden?

 Katja Mattejat: Die Wiegesysteme müssen alle 2 bzw. alle 3 Jahre nachgeeicht werden, und zwar in Anwesenheit mit dem jeweils zuständigen Eichamt. Die Terminabstimmung zwischen dem Kunden, dem Eichamt und unseren Service-Technikern, die die Prüfung und ggf. Nachjustierung der Waage vornehmen, übernehmen wir ebenfalls im Rahmen unseres Kundenservice.

recovery: Ist die Eichfähigkeit von industriellen Wiegesystemen auch international ein Thema?

Katja Mattejat: Auf dem internationalen Markt spielt die Eichfähigkeit der Waagen keine so große Rolle. Deshalb bringen wir jetzt auch ein Produkt auf den Markt, das nicht eichfähig ist. Die neu entwickelte WK60-XS ist eine kostengünstigere Variante der WK60. Die WK60-XS mit einem intuitiven 5" Zoll Touch-Display ist ein Basismodell für alle Grundanforderungen, unabhängig von den Fahrzeugherstellern. Zusätzlich gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Features für spezielle Betriebsabläufe, die wir je nach Kundenanforderungen individuell anpassen können, wie z.B. größerer Wiegedatenspeicher. Sie ist klein, kompakt wie ein Smartphone und hervorragend geeignet für interne Prozesse, wie z.B. Kontrollverwiegungen. Aktuell ist die WK60-XS bereits für Radlader, Teleskoplader und Gabelstapler verfügbar, weil hier mit dem gleichen Messprinzip gearbeitet wird. Die Software für dieses Modell wird aber derzeit weiter entwickelt, damit es für alle auf dem Markt üblichen Anwendungen genutzt werden kann.

Michael Buning: Wir pflegen nicht nur den partnerschaftlichen Austausch mit unseren Kunden, um die besten Lösungen für die praktische Anwendung zu finden. Wir befinden uns auch im ständigen Austausch mit den großen Maschinenherstellern der Branche, um sicherzustellen, dass unsere Wiegesysteme mit den neuesten Maschinenserien kompatibel bleiben.

recovery: Das war ein interessanter Einblick in die industrielle Wiegeelektronik. Vielen Dank für das Gespräch.

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